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„Corona“ aus psychologischer Sicht: Von Mutterliebe, Weltrettungsideen und die traumatisierte Gesellschaft

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„Vertrauen und gesunde Beziehungen können nicht auf Angst, Lügen, Täuschungen und Betrug aufgebaut sein“, erklärt der Psychologe Prof. Franz Ruppert. Was Mutterliebe, Wut, Narzissmus und Wahnsinnsprojekte wie „Alle Menschen auf dieser Erde impfen!“ oder „Das System ist alles, du zählst nichts“ damit zu tun haben, erklärt diese dreiteilige Serie.


Im ersten Teil der dreiteiligen Serie „Corona“ aus psychologischer Sicht von Prof. Dr. Ruppert geht es um folgende Punkte:

  • Ein autonomer Urzustand
  • Die Sehnsucht nach Liebe – eine conditio humana
  • Liebe und Angst
  • Liebe und Wahrheit
  • Fehlende Mutterliebe
  • Die Unterdrückung der Liebesbedürfnisse
  • Mit Schmerz, Angst, Wut, Scham und Schuld verbundene Mutterliebe
  • Ärger, Wut und Hass auf die Mutter
  • Ersatzbedürfnisse, Liebesillusionen und Liebeswahn
  • Die Suche nach Ersatzmüttern
  • Ärger, Wut und Hass auf den Vater
  • Sex statt Liebe
  • Wiederholungen der primären Liebesbeziehung

Am Ende kommt er zu diesem Fazit:

„An alle, z.B. die in Zeiten von „Corona“ meinen, sie müssten mir etwas Gutes tun: Ich will Eure Masken, Tests und Spritzen nicht. Respektiert meine Grenzen und meinen Willen. Ich will, wenn dann reale Liebe, die aus Eurem Herzen kommt. Wenn ihr mir das nicht geben könnt, so macht, was ihr nicht lassen könnt, aber lasst mich in Frieden.“

Doch zunächst Teil 1.

0. Ein autonomer Urzustand

Wenn eine Samenzelle mit einer Eizelle verschmilzt, ist das der Zündfunke und Urknall für die Entstehung eines neuen Lebens. So kommt ein neuer Mensch in diese Welt. In diesem Moment ist in ihm eine enorme Lebenskraft vorhanden, ein unbändiger Lebenswille, eine grenzenlose Lebenslust.

Weil ihm die Eizelle die Versorgung mit allen Vitalstoffen zu Verfügung stellt, kann sich dieser neue Mensch für 6 bis 10 Tage unabhängig entfalten. Er wächst aus sich selbst heraus. Er tritt innerhalb des Uterus eine Reise an und sendet dabei Botenstoffe an den mütterlichen Organismus, um an einer Stelle der Gebärmutter ein immunologisches Vakuum zu schaffen, damit er sich in dieser einnisten kann, und dort eine Plazenta mit Nabelschnur und eine Fruchtblase entstehen.

Das in seiner Entfaltung befindliche Kind ist von Anfang an kein bloßes Objekt, sondern ein Subjekt mit eigenen Lebenszielen. Mit der Einnistung in der Gebärmutter beginnt ein Verhältnis der existenziellen Abhängigkeit zwischen Kind und Mutter, dass intrauterin ca. neun Monate und extrauterin ca. 15 Jahre andauert. Dieses Abhängigkeitsverhältnis muss auf Liebe gegründet sein, damit die Lebensreise eines Menschen gut weitergeht.

1. Die Sehnsucht nach Liebe – eine conditio humana

Die Beziehung zur eigenen Mutter ist die erste Liebesbeziehung eines jeden Kindes. Ein Kind ist von Beginn seines Lebens an, also bereits vorgeburtlich, voller Liebe für seine Mutter. Diese Liebe ist ein Urinstinkt, der auf den körperlich-emotionalen Kontakt mit der eigenen Mutter ausgerichtet ist.

Für das Kind gibt es in diesem Frühstadium seines Lebens nichts Wichtigeres als seine Mutter. Es ist von ihr existenziell abhängig. Jeder Mensch verfügt daher von Anfang an – und muss das auch – über eine enorme Liebesfähigkeit, und hat einen ebenso großen Wunsch danach, von seiner Mutter geliebt zu werden.

„Ich will geliebt werden“ – ich behaupte, dieses Bedürfnis hat jeder Mensch. Es ist ein zentrales menschliches Bedürfnis, das ursprünglich lautet: „Ich will von meiner Mama geliebt werden“.

Daran ist nichts verkehrt. Das gehört zu den Grundbedingungen unseres Menschseins dazu. Wir Menschen vermehren uns sexuell, die Kinder wachsen im Bauch ihrer Mutter heran. Daher gehört die Liebe zur eigenen Mutter und das Verlangen nach ihrer Liebe zur conditio humana. So wie es das Wesen von Vögeln ist, dass sie Flügel haben, um damit fliegen zu können, ist es das Wesen von uns Menschen, dass wir lieben und geliebt werden wollen. Das sind quasi unsere emotionalen Flügel.

2. Liebe und Angst

Innerhalb der Psyche sind Liebe und Angst Antagonisten. Wo Angst herrscht, ist für die Liebe wenig Raum. Auch Angst ist ein Urinstinkt. Angst aktiviert das Stresssystem des menschlichen Organismus. Wo Angst ist, entstehen in der Folge auch leicht Wut, Aggression und zwanghaftes Denken und Handeln. Wenn sich die Angst nicht beruhigt und damit verhindert, dass wieder ein Gefühl von Sicherheit eintritt, wird sie zu einer Lebensgrundhaltung und zur Saat der Gewalt.

Liebe ist das Gegengift bei Angst. Liebe kann Angst neutralisieren. Wenn Menschen lieben, können sie auch mit ihren Ängsten gut und angemessen umgehen. Lieben und Geliebt werden vermittelt ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Geschütztsein. Deswegen spricht die Bindungstheorie in diesem Zusammenhang von „sicherer Bindung“, wenn das Kind von seiner Mutter in seinen Bedürfnissen wahr- und ernstgenommen wird.

Auch zwischenmenschliches Vertrauen ist ohne Liebe nicht zu gewinnen. So entsteht nur auf der Basis von Liebe jene Sicherheit, die wir für ein gutes Leben brauchen. In der Angst gefangen zu sein bedeutet, sich immer mehr selbst zu verlieren und ein schlechtes Leben zu führen.

3. Liebe und Wahrheit

Die menschliche Psyche ist darauf ausgelegt, die Realität, in der ein Mensch lebt, richtig und stimmig zu erfassen. Eine gesunde Psyche weiß und fühlt, was wahr ist. Sie ist daher auch beständig um Wahrheit und Wahrhaftigkeit bemüht.

Lügen können wir nur abgespalten von unserem lebendigem Organismus im Kopf, aber nicht mit dem gesamten Körper. Deshalb können gesunde Liebesbeziehungen nicht auf Lügen, Täuschungen und Betrug aufgebaut sein. Liebe und Wahrheit bedingen sich wechselseitig. Daraus entsteht das Vertrauen in einer zwischenmenschlichen Beziehung.

4. Fehlende Mutterliebe

Was nun, wenn seitens der eigenen Mutter das Liebesbedürfnis eines Kindes nicht adäquat beantwortet wird? Wenn die eigene Mutter es nicht haben will, es ablehnt und zurückweist? Wenn sie gegenüber ihrem Kind völlig gleichgültig ist? Wenn sie ihr Kind massiv bekämpft und körperlich wie emotional quält?

Wenn sie aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte gar nicht fähig ist, ihr Kind aus vollem Herzen und mit ihrem ganzen Körper zu lieben? Wenn sie selbst unter einem Mangel an Mutterliebe leidet, weil ihre Liebesbedürfnisse von der Mutter ebenfalls nicht gestillt wurden? Und auch deren Großmutter schon emotional verhungert war? Die Ahnenkette traumatisierter Mütter ist bei vielen Menschen sehr lang.

5. Die Unterdrückung der Liebesbedürfnisse

In all den Fällen, in denen die Mutter das Liebeswerben ihres Kindes nicht beantwortet, gerät ein Kind in eine existenzielle Notlage. Um diesen Schrecken zu überleben, bleibt einem Kind nichts anderes übrig, als sein zurückgewiesenes Urbedürfnis nach mütterlicher Liebe zu unterdrücken.

Der Schmerz darüber, von der eigenen Mutter nicht gewollt, nicht geliebt und vor Gewalt nicht geschützt zu werden, die Angst davor, von ihr verlassen und in Stich gelassen zu werden, ist so groß, dass eine kindliche Psyche das nicht aushält und daran zerbricht. Sie muss ihre Einheit aufgeben und spaltet sich dann in drei Teile (Abbildung 1):

• Ein Teil bleibt realitätsbezogen und weiß um den Horror der mütterlichen Gleichgültigkeit, Zurückweisung oder Gewalt, ohne ihn jedoch zu fühlen.

• Ein anderer Teil erlebt diese sich ständig wiederholenden, unerträglichen Erfahrungen der Ablehnung und Zurückweisung und fühlt sich diesen ohnmächtig ausgeliefert.

• Eine dritte psychische Struktur verhindert dann, dass die Verlassenheitsangst und der Schmerz des Ungeliebtseins immerzu das bewusste eigene Erleben prägen.

Abbildung 1: Die gespaltene Psyche


So entstehen notwendigerweise im Laufe der Zeit immer mehr und zusätzliche Trauma-Überlebensstrategien, welche – getrennt von der Realität – eine psychische Eigenwelt erschaffen, in denen die Illusion aufrechterhalten wird, die eigene Mutter würde einen trotz aller gegenteiligen Erfahrung doch lieben und man wäre in Liebe mit ihr zusammen. Man müsse sich dafür nur entsprechend anstrengen und der Mutter alles geben, was sie brauche und von einem verlange. Statt die eigene Not zu erleben, wird die Mutter als bedürftig und belastet erlebt. Das Kind versucht nun, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden und ihre Leiden zu lindern.

So ein Kind erlebt sich selbst als unwürdig, geliebt zu werden. Es schämt sich und hat Schuldgefühle wegen seiner eigenen Existenz. In diesem Anteil zerbricht sich das Kind immerzu den Kopf über seine Mama, warum sie so ist, und findet dabei tausenderlei Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründe für ihr Verhalten.

Gleichzeitig sieht der Anteil, den ich als den traumatisierten Anteil bezeichne, ohnmächtig, aber auch voller Wut zu, wie sich der Überlebensanteil in seinen Liebesillusionen für die eigene Mutter aufopfert und sich selbst vernachlässigt und missachtet. Liebesillusionen gehen mit einer Aufgabe des eigenen Ichs und Wollens und damit einem Verrat an sich selbst einher.

Auf diesem Weg wird aus dem kleinen, liebesfähigen und -bedürftigen Wesen, das wir zu Beginn unseres Daseins sind, allmählich ein anscheinend vernünftiger Erwachsener, der sich selbst mit seinen gesunden Urbedürfnissen ablehnt und für so ziemlich alles Verständnis aufbringt, was ihm selbst schadet und von anderen zugemutet wird.

So wird die ursprünglich durch die Mutter erfahrene Ablehnung und Zurückweisung mit der Zeit zu einer stabilen, eigenen inneren Instanz:

„Sei nicht so weinerlich, bedürftig und schwach! Reiß dich zusammen!“, „Ich muss stark sein!“, „Ich darf meine Gefühle nicht zeigen und schon gar nicht weinen!“ – so oder ähnlich lautet ab jetzt das Motto für den Rest des Lebens.

Manche Menschen meinen dann sogar, sie hätten von ihrer Mutter noch nie geliebt werden wollen. Sie seien ihr gegenüber schon immer misstrauisch gewesen, hätten sie ekelig empfunden und wären daher von Anfang an auf Abstand zu ihr gegangen. Sie hätten vielleicht sogar schon ein Leben lang gegen ihre Mutter gekämpft. Ihren Lebensanfang, verbunden mit einer riesigen Sehnsucht nach warmer Mütterlichkeit, blenden sie dabei aus. Dieses Urbedürfnis haben sie hinter dicken Wänden psychischer Abwehr begraben.

6. Mit Schmerz, Angst, Wut, Scham und Schuld verbundene Mutterliebe

Wenn eine Mutter, aus welchen Gründen auch immer, die kindlichen Liebesbedürfnisse nicht mit ihrer Liebe erwidert, kann das Kind dennoch nicht damit aufhören, seine Mutter zu lieben.

Kein Kind kann sich nicht an seine Mutter emotional binden. Irgendeine Form der emotionalen Mutterbindung entsteht bei jedem Menschen. Daher wird für Kinder, deren Mütter nicht fähig sind, sie zu lieben, das Thema Liebe mit negativ erlebten Gefühlen aufgeladen.

Es wird mit Angst, Wut, Schmerz, Scham und Schuldgefühlen gekoppelt. Das führt dazu, dass ein Kind immer mehr Abstand von seinem ursprünglichen Bedürfnis nimmt, von seiner Mutter einfach nur geliebt werden zu wollen.

Liebe erscheint dann für den Rest des Lebens als etwas fürchterlich Kompliziertes und letztlich nicht Erreichbares. Das Kind will hin zur Mama und gleichzeitig hat es berechtige Ängste, beim Kontakt mit ihr in den Strudel ihrer Traumagefühle hineingezogen zu werden.

7. Ärger, Wut und Hass auf die Mutter

Die frustrierten Liebesbedürfnisse eines Kindes erzeugen in ihm Ärger und Wut. Mit diesen emotionalen Reaktionen versucht ein Kind zunächst, die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu gewinnen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass es sich von ihr vernachlässigt und nicht geliebt fühlt.

Reagiert eine Mutter entsprechend darauf, kommt der kindliche Ärger wieder zur Ruhe. Falls nicht, steigert sich die Wut bis zum Hass auf die eigene Mutter. Zuweilen spricht blanke Feindseligkeit aus den Augen der Kinder, weil sie sich ohnmächtig und zutiefst frustriert fühlen, die ersehnte mütterliche Zuwendung zu erhalten.

Doch auch dieser Hass muss in einem Kind unterdrückt und abgespalten werden. Er lebt dann im Untergrund der kindlichen Psyche fort und vergiftet sie. Dieser Hass sucht sich sein Ventil in mannigfacher Weise. Er richtet sich zum Beispiel gegen ein Geschwisterkind, das vermeintlich mehr Liebe und Zuwendung von der Mutter erhält, selbst wenn das nicht stimmt.

Dieser Hass kann zur Zerstörung seines Spielzeugs führen. Der Lieblingspuppe werden zum Beispiel die Augen ausgedrückt, dem Teddybär Arme und Beine ausgerissen. Auch andere Kinder können leicht ins Visier dieses Hasses kommen. Ebenso Erzieherinnen und später im Leben auch Partner, Lehrer, Vorgesetzte oder Politiker.

Fatal wird es auch, wenn dieser ursprünglich kindliche Hass auf die eigene Mutter sich später dann auf ein eigenes Kind richtet. Im Hass auf ihr eigenes Kind setzen viele Frauen den Kampf gegen ihre eigene Mutter fort.

Bei Jungen und späteren Männern führt unterdrückter Mutterhass leicht dazu, dass sie ihre Verbitterung auf Frauen im Allgemeinen projizieren, die eigene Mutter davor aber in Schutz nehmen: „Alle Frauen sind Schlampen, außer Mutti!“

8. Ersatzbedürfnisse, Liebesillusionen und Liebeswahn

Anstelle der ursprünglich konkreten Liebesbedürfnisse treten im Falle der Unerreichbarkeit der eigenen Mutter stattdessen dann abstrakte Vorstellungen von Liebe, die mit Illusionen und Ersatzbedürfnissen verknüpft werden:

  • Ich stelle mir vor, das ist gar nicht meine Mama, ich bin im Krankenhaus vertauscht worden.
  • Ich bin ganz ruhig und brav, mache Mama keinerlei Ärger.
  • Ich bin ein gutes Mädchen und ein lieber Junge, dann werde ich von meiner Mama gelobt.
  • Ich helfe ihr im Haushalt, bei der Versorgung meiner Geschwister und bekomme von ihr dafür Anerkennung.
  • Wenn ich in der Schule gute Noten schreibe, dann freut sie sich.
  • Ich will, dass meine Mama stolz auf mich ist.
  • Ich will meine Mutter nicht belasten.
  • Ich bin selbst schuld, wenn ich nicht genug Liebe bekomme.
  • Ich will eigentlich nur, dass meine Mama glücklich und zufrieden ist.
  • Auch wenn es Probleme gibt, will ich mit ihr meinen Frieden finden.
  • Ich will ihr gerne alles verzeihen und am Ende mit ihr versöhnt sein.

Je stärker der Mangel an erlebter Mutterliebe ist, desto bescheidener werden die Kinder. Desto mehr geben sie sich mit ganz wenig zufrieden. Sie suchen noch nach dem letzten Krümelchen Mutterliebe, an dem sie sich festhalten können.

Sie steigern sich in ihre eigenen Vorstellungen von Mutterliebe hinein und finden Tausende von Gründen, warum ihre Mutter nicht anders konnte, als sie lieblos zu behandeln. Sie idealisieren ihre Mama und heben sie auf einen Sockel. Solche Vorstellungen werden immer mehr zu einem Liebeswahn, den nichts mehr aus der Fassung bringt.

Kinder, die sich auf diese Weise mit dem Schmerz und dem Leiden der eigenen Mutter emotional verbinden, sich mit ihren Sorgen und Nöten identifizieren, haben keine eigene Gegenwart und Zukunft. Sie bleiben psychisch in der Vergangenheit ihrer Mutter und den Konflikten mit deren Vorfahren hängen.

Wer sich von seiner Mutter emotional nicht lösen kann, wird nicht erwachsen. So wiederholen sich menschliche Schicksale über Generationen, ohne dass etwas Neues geschieht. Äußere Veränderungen, zum Beispiel technologische Umbrüche, mehr Wissen und Bildung ändern daran nichts. Innerlich bleiben die Menschen kleine, frustrierte Kinder.

9. Die Suche nach Ersatzmüttern

Weil ihnen die Liebe ihrer Mutter fehlt, suchen Kinder nach einem Liebesersatz. Falls der Vater vorhanden ist, erhoffen sich viele Kinder von ihm die Liebe, die sie von ihrer Mutter nicht erhalten. Sie geraten auf diesem Wege mit einem in der Regel auch traumatisierten Vater in eine emotional verwirrte und verstrickte Beziehung.

Weil nun alle Hoffnungen auf ihm ruhen, wird der Vater oft idealisiert. Selbst das wenige an Gefühlen, das er seinem Kind gegenüber zeigt, erscheint dem Kind überwertig im Vergleich zu einer kalten und unzugänglichen Mutter.

Wie auch immer ein Vater sich liebevoll um sein Kind kümmert, er kann ihm die fehlende Mutterliebe nicht ersetzen. Er kann den damit verbundenen Schmerz der Zurückweisung, die Angst vor dem Verlassensein und die Wut und den Hass auf die eigene Mutter nicht heilen.

Die Mutterliebe ist für jeden von uns einzigartig. Sie ist an die eigene Mutter gebunden. Niemand kann unsere Mutter und ihre Liebe ersetzen: kein Vater, keine Großmutter, keine Nanny, keine Adoptivmutter, keine Krankenschwester oder Erzieherin.

10. Ärger, Wut und Hass auf den Vater

Weil viele Väter einem Kind ebenfalls nicht die Liebe zuteilwerden lassen, die es dringend braucht, bieten sie ihm zusätzlich Anlass für Ärger, Wut und Hass. Den eigenen Vater abzulehnen, fällt psychisch leichter, als die eigene Mutter zu hassen.

Der Hass auf den Vater verdeckt in vielen Fällen den darunter schwelenden Hass auf die Mutter. So kann sich ein Kind sogar mit der traumatisierten Mutter innerlich verbinden im Kampf gegen einen offensichtlichen Idioten von Vater, der sich früh aus dem Staub gemacht hat, der, wenn er da ist, herumtobt, schlägt, schreit oder trinkt.

In Psychotherapien wird oftmals der offenkundige Vaterhass in seinen zahlreichen Facetten angeschaut und in sämtlichen Details erörtert. Das dient jedoch oft nur dazu, den darunterliegenden Mutterhass weiter zu verleugnen.

11. Sex statt Liebe

Die Suche nach einem Ersatz für die Mutterliebe macht Kinder zudem höchst anfällig für emotionalen wie sexuellen Missbrauch. Wer den Liebeshunger in den Augen eines Kindes lesen kann, für den ist es ein Leichtes, diesem Kind zu schmeicheln, ihm das Gefühl zu vermitteln, es sei etwas Besonderes. So kann man es zu Dingen verführen, die das Kind von sich aus mit Sicherheit nicht will.

Der weltweit verbreitete Mangel an Mutterliebe ist die Ursache für den pandemisch vorkommenden sexuellen „Missbrauch“ an Kindern innerhalb wie außerhalb von Familien.

Bei den „Missbrauchs“tätern ist es auch so: Sie leiden an einem Liebesmangel seitens ihrer eigenen Mutter. Entweder verlieben sie sich dann in Kinder, weil sie gerne möchten, dass sich jemand so in sie verliebt, oder sie agieren in der Gewalt gegen Kinder ihren Hass auf sich selbst aus. Oder sie wiederholen mit einem Kind die sexuellen Handlungen, die an ihnen selbst vollzogen wurden.

Weil solche Täter psychisch verwirrt sind, können sie auch keine Grenzen zwischen Liebe und Sexualität ziehen. Weil sie von ihrem eigenen Ich abgespalten sind, können sie keinerlei Verantwortung für ihre Taten übernehmen. Solange sie nicht daran gehindert werden, machen sie mit ihren Untaten suchtartig weiter.

12. Wiederholungen der primären Liebesbeziehung

Weil sich die Mutterbeziehung unbewusst in unserer Psyche abspielt, wiederholt sich die Qualität dieser primären Liebesbeziehung in allen weiteren Liebesbeziehungen in unserem Leben. Angst, Ärger, Wut, Hass und tiefer Schmerz aus der Mutterbindung fließen in alle weiteren Beziehungen hinein, in denen wir uns Liebe erhoffen.

Das Unterdrücken unserer Gefühle, das grundsätzliche Misstrauen in einen anderen Menschen und die Zurückhaltung, unsere konkreten Liebesbedürfnisse zum Ausdruck zu bringen, werden unter diesen Umständen zum Prinzip der Gestaltung unserer Liebesbeziehungen.

Ein Mensch, der den Schmerz des von seiner Mutter nicht geliebten Kindes in seinem Herzen trägt, öffnet dieses nie wieder ganz. Er bleibt vorsichtig, weil er nicht noch einmal diesen existenziell bedrohlichen Urschmerz fühlen möchte, der unerlöst aus seiner Mutterbeziehung in ihm schlummert. Alle neuen Liebesbeziehungen werden aus Angst, wieder in frühkindliche Traumagefühle abzurutschen, meist zu einem krampfhaften Bemühen, die gedankliche Kontrolle über die eigenen Nähebedürfnisse und die damit verbundenen Gefühle zu behalten.

Der jeweilige Partner wird innerlich auf Abstand gehalten und äußerlich tut man alles, damit er einen nicht verlässt. Das notwendige Scheitern derartiger Liebesbeziehungen führt jedoch nur dazu, immer wieder nach neuen Liebesbeziehungen Ausschau zu halten. Solange die in der eigenen Psyche unbewusst ablaufenden Prozesse nicht aufgeklärt und außer Kraft gesetzt werden, geht das ein Leben lang so weiter.

Fortsetzung: Zweiter Teil

Prof. Dr. Franz Ruppert, Psychologischer Psychotherapeut und Professor für Psychologie, beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 vor allem mit Psychotraumatologie. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in München ist er auch Autor mehrerer Bücher, die in viele andere Sprachen übersetzt wurden.

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Im zweiten Teil der dreiteiligen Serie „Corona“ aus psychologischer Sicht von Prof. Dr. Ruppert geht es um

  • Verliebtsein und Liebe
  • Mein Lieblingsverein
  • Lieben und Helfen
  • Gesellschaftliche Missachtung von realer Mutterliebe
  • Mythos Mutterliebe
  • „Führer“ als Mutter- und Vaterersatz-Figuren
  • Geld kann Mutterliebe nicht kaufen
  • Das System ist alles, du zählst nichts
  • Raubtierkapitalismus – ein Wirtschaftssystem ohne Liebe
  • Ist Narzissmus Selbstliebe?
  • Wahnsinnsprojekte
  • Auch Tyrannen und Mörder wollen geliebt sein

Am Ende kommt er zu diesem Fazit:

„An alle, zum Beispiel die in Zeiten von „Corona“ meinen, sie müssten mir etwas Gutes tun: Ich will Eure Masken, Tests und Spritzen nicht. Respektiert meine Grenzen und meinen Willen. Ich will, wenn dann reale Liebe, die aus Eurem Herzen kommt. Wenn Ihr mir das nicht geben könnt, so macht, was Ihr nicht lassen könnt, aber lasst mich in Frieden.“

Doch zunächst hier der zweite Teil seines Artikels (hier zum vorherigen Teil 1).

13. Verliebtsein und Liebe

Geliebt werden wollen ist auf die dauerhafte Bestätigung der eigenen Person gerichtet. Ich will, so wie ich bin, von einem anderen Menschen emotional angenommen sein. Eine partnerschaftliche Liebe zu einem anderen Menschen kann jedoch die Selbstliebe nicht ersetzen. Partnerschaften oder Freundschaften sind kein Ersatz, sondern nur ein Zusatz für die Liebe zu sich selbst.

Eine große Schwierigkeit für viele Menschen, mit dem Thema Liebe zurecht zu kommen, besteht darin, dass sie Liebe und Verliebtheit nicht richtig auseinanderhalten können. Verliebtheit ist ein sich aufgrund hormoneller Ausschüttungen periodisch in einem Menschen einstellender Zustand, paarungsbereit zu sein. Mit der Paarung hat dieser Zustand sein Ziel erreicht und flaut daher wieder ab.

Nach dem Abflauen des Verliebtheitszustandes kommen die darunter liegenden psychischen Realitäten in Bezug auf die Liebe wieder zum Vorschein. Dann gewinnt die psychische Dynamik der enttäuschten kindlichen Bedürfnisse nach Mutter- und Vaterliebe wieder die Oberhand und nimmt in einer Partnerbeziehung Fahrt auf. Mutter- und Vaterhass mischen sich in ein in den Beziehungsalltag, der intime Partner ist dafür die stets vorhandene Zielscheibe. Das Beziehungsleben wird zuweilen zur Wiederholung der Hölle, die man als Kind schon mit Vater und Mutter erlebt hat.

Menschliche Fortpflanzung kann auch völlig ohne Liebe geschehen. Sexuelle Lust alleine reicht dafür aus. Sogar aus einem Gewaltakt können Kinder entstehen.

Für Männer ist mit dem Sexualakt ihr Job in puncto Fortpflanzung ohnehin getan. Frauen hingegen haben ohne Liebe keine Freude an ihren Kindern. Zu ihrer Fruchtbarkeit als Frau muss Mutterliebe hinzukommen, sonst wird das Muttersein für sie und ihr Kind zum Desaster. Diese Mutterliebe muss auch stärker und anders sein als die Liebe zu irgendeinem anderen Menschen, sei es zur eigenen Mutter, zu einem Mann oder einem anderen Kind, das sie bereits geboren hat. Wenn eine Frau Angst vor dem Vater ihres Kindes hat und sich ihm unterwirft, ist das für sie und ihr Kind eine Katastrophe. Sie kann dann weder sich noch das Kind vor der Zudringlichkeit, Übergriffigkeit und Gewalt ihres Mannes schützen.

Für Männer ist das Vatersein eine Chance, ihre eigene Liebesfähigkeit, die auch jeder Mann qua Menschennatur in sich trägt, weiter zu entwickeln und aus ihrer instinktiven Konkurrenzorientierung herauszuwachsen. Sie können so lernen, dass sexuelle Lust kein Ersatz für ihr Bedürfnis ist, als Mann, so wie man ist, geliebt zu werden. Sie können auf diese Weise auch begreifen, dass man einen anderen Menschen nicht besitzen kann – weder eine Frau noch die eigenen Kinder. [Franz Ruppert (2020). Liebe. Lust und Trauma. Unterwegs zu gesunder sexueller Identität. München: Kösel Verlag.]

In den Liebesliedern und -gedichten, in denen es scheinbar um einen Partner geht, geht es in der Tiefe eigentlich um die Sehnsucht nach Mama: Ohne dich bin ich nicht lebensfähig, ist mein Leben leer und grau …

Als kleiner Tipp am Rande für jene, die sich nach Partnerschaft und Ehe sehnen: Heirate niemanden, der noch nicht mit sich selbst verheiratet ist – also sich selbst nicht bedingungslos liebt.

14. Mein Lieblingsverein

Nicht gestillter Hunger nach Mutterliebe sucht sich seine Ersatzobjekte in der Außenwelt. In meinem Fall war es ein Lieblingsverein, dem ich ab dem 9. Lebensjahr bis hinein in mein spätes Erwachsenenalter die ewige Treue geschworen habe.

Fanatisch habe ich zu diesem Fussballclub gehalten und alles aufgesogen, was über ihn berichtet wurde. Was allerdings dazu geführt hat, dass ich nicht nur bei seinen Siegen in Euphorie geraten und mit Stolz geschwellter Brust meinen Spielkameraden und imaginären inneren Begleitern begegnet bin.

Bei seinen Niederlagen war ich entsprechend zutiefst enttäuscht und deprimiert. Solche Liebesillusionen können auch gegenüber Lieblings-Musiker, Filmstars oder Gurus gelebt werden. Näher hinzusehen, was das in Wahrheit für Menschen sind, empfiehlt sich dabei nicht.

15. Lieben und Helfen

Wohin mit meiner Liebe, vor allem, wenn ich sie nicht auf mich selbst richten darf, weil das angeblich egoistisch ist?

Viele Menschen, die nicht bei sich sind, haben das dringliche Bedürfnis, anderen helfen zu müssen. Das ist ebenfalls ein großer Irrtum, das dies auf Dauer gut gehen kann. Was ich einem anderen Menschen anbiete, wenn ich nicht in meiner Selbstliebe bin, können letztlich nur meine eigenen Liebestrauma-Überlebensstrategien sein.

Entsprechend enttäuscht oder sogar zornig bin ich, wenn ein anderer Mensch meine Hilfsangebote und damit meine doch gut gemeinte Liebe nicht annimmt. Mit Überlebensstrategien kann man einen anderen Menschen aber nur dann beglücken, wenn dieser auch nicht mehr will, als zu überleben, um nicht mit seinem Schmerz des abgelehnten und ungeliebten Kindes konfrontiert zu werden.

Überlebenshilfe, sei es von den eigenen Eltern, von Lehrern, von Ärzten, vom Staat, wird einem von solchen Menschen und Institutionen meist aufgedrängt, oft sogar aufgezwungen. Und man gilt dann als undankbar, vielleicht sogar unsozial, wenn man solche übergriffigen Formen von Hilfe ablehnt, die stets mit dem Preis der Abhängigkeit bezahlt werden muss.

Beim Helfen auf der Basis gesunder Selbstliebe weiß ich hingegen, dass jeder Mensch nur sein eigenes Leben gut führen kann. Keiner kann das für den anderen tun und ihm diese Verantwortung abnehmen. Ich kann ihm lediglich eine wachstums- und regenerationsförderliche Umwelt anbieten. Das ist schon sehr viel.

16. Gesellschaftliche Missachtung von realer Mutterliebe

Die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden, ist das größte psychische Kapital von uns Menschen. Moderne Gesellschaften untergraben jedoch systematisch die Fähigkeit von Frauen, reale, d.h. vor allem körperliche Mutterliebe zu fühlen, zu zeigen und ausreichend Zeit für ihre Kinder zu haben. Bereits während der Schwangerschaft und in den Geburtsprozessen geraten die meisten Frauen unter ein medizinisches System der Überwachung und Kontrolle, das ihre eigen Fähigkeiten gering schätzt und sie und ihren Körper zu Objekten zahlloser medizinischer Begutachtungen und Interventionen macht.

Auch nach der Geburt ihres Kindes wird Frauen heutzutage in den reicheren Ländern flächendeckend die frühe Fremdbetreuung ihrer Kinder als moderne Bildungsmaßnahme angeboten. Mütter und Kinder werden einander immer mehr entfremdet. [Michael Hüter (2018). Kindheit 6.7. Ein Manifest. Norderstedt: Books on Demand.]

Mütterlichkeit wird an staatliche und private Institutionen delegiert, was nicht funktionieren kann, mögen die dafür angeheuerten Erzieherinnen noch so engagiert in ihrem Beruf sein.

Hinzukommt ein hohes Maß an sexualisierter Gewalt, das viele Frauen bereits während ihrer Kindheit und Adoleszenz erleben. Auch das untergräbt ihre Fähigkeiten, gut in ihrem Körper verankert zu sein, dessen Urbedürfnisse zu fühlen, um ihren lebendigen weiblichen Organismus einem Kind als Lebens- und Liebesgrundlage anbieten zu können.

Wie beschrieben führt zudem der in vielen Männern über ihren Mutterhass entstandene Frauenhass zu einem Krieg der Geschlechter und zur generalisierten Geringschätzung von Frauen.

17. Mythos Mutterliebe

So entstehen ganze Gesellschaften, in denen die Mutterliebe eher als eine Vorstellung und Liebesillusion denn als real gelebte Mutterliebe existiert. Die Frauen in solchen Gesellschaften haben entsprechend irreale Vorstellungen von einem Traummann, von Wunschkindern und einer heilen Familie.

Sie basteln daran mir hohem Eifer und persönlichem Einsatz. Was sie aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte daran hindert, dass ihre Träume in Erfüllung gehen und mit großer Regelmäßigkeit scheitern, wollen sie nicht so gerne wissen. Das würde ja ihre Urängste und ihren Urschmerz anrühren.

Der Wunsch nach einem eigenen Kind mag dann zwar durchaus bestehen, doch wie steht es um die reale Fähigkeit, Mutter zu sein und konkret Mutterliebe zu geben? Viele „Wunschkinder“ müssen daher den Liebesillusionen und Trauma-Überlebensstrategien ihrer liebesgehemmten Mütter zu Diensten sein.

Deshalb ist es ein Tabubruch, wenn ich so direkt den Finger in die Wunde der Mutterliebe lege. Die meisten Menschen reagieren darauf zunächst mit Ärger und Wut und wollen diese für sie schmerzhafte Wahrheit nicht wissen und wehren sie ab.

Auch ganze Fraktionen des Feminismus befinden sich in einem Abwehrkampf gegen real gelebte Mütterlichkeit, die ihnen vermeintlich als zu primitiv und die Frauen diskriminierend erscheint, weil Mutterliebe sie auf das bloße Muttersein festlege und vom sonstigen gesellschaftlichen Leben und dessen Mitgestaltung ausschließe.

Dabei können Frauen gar nichts Besseres für eine Gesellschaft tun, als psychisch gesunde Kinder heranwachsen zu lassen. Was ist dagegen ein Beruf oder Job, den man nur um des Geldes willen macht? In dem auch eine Frau gezwungen ist, fremden Interessen zu dienen? Wie viele Menschen auf dieser Erde üben tatsächlich eine Arbeitstätigkeit aus, die sie auch machen würden, wenn sie dafür kein Geld für ihren Lebensunterhalt bekämen?

Da auch der Mutterhass in solchen Gesellschaften tabuisiert wird, fließt dieser in sämtliche gesellschaftliche Strukturen hinein. Jeder, der mir nicht passt, mich zurückweist, mich nicht ausreichend anerkennt, meinen Überlebensstrategien im Wege steht, meine Weltanschauung nicht teilt, ist in Gefahr, diesen Hass abzubekommen. Frustrierte Mutterliebe und daraus entstehender Mutterhass führt dazu, die Welt in Gut und Böse, in Freund und Feind einzuteilen und damit die Grundlagen für Mord und Totschlag in einer Gesellschaft zu legen.

18. „Führer“ als Mutter- und Vaterersatz-Figuren

So kommt es schließlich, dass die meisten Mitglieder in solchen Gesellschaften in ihren realen Liebesbedürfnissen tief frustriert sind. Sie leiden nahezu alle unter einem Mangel an Mutter- wie Vaterliebe. In ihren Überlebensstrategien sind sie dadurch fast nur am Außen orientiert, müssen nach permanenten Ablenkungen von ihren psychischen Schmerzen suchen und sind in ihren Verlassenheitsängsten und im Dauerstress ihrer Beziehungsgestaltungen gefangen.

Solche Menschen leben reaktiv, d.h. sie reagieren nur auf das, was von Außen auf sie zukommt. Sie müssen immerzu etwas abwehren, sich rechtfertigen, beschwichtigen, dass es nicht so gemeint sei, was sie sagen und tun. Sie beklagen sich und klagen an. Sie verwirren mit ihren Aktionen andere und sind selbst verwirrt. Manchmal wissen sie noch nicht einmal, ob sie Mann oder Frau sind.

Aus ihren Liebesillusionen heraus versteigen sie sich immer wieder in neue Liebeswahnsysteme – in sämtlichen gesellschaftlichen Sphären. Der Partner, die eigenen Kinder, Freunde, Chefs, Kunden, Wähler … alle werden mehr oder weniger unbewusst durch die Brille der eigenen frustrierten Elternliebe-Erfahrung gesehen. Ablehnung, Gleichgültigkeit, Gewalterfahrungen und Hass – alles wird im jeweiligen Kontext unbewusst blind reinszeniert. So erwarten wir uns von Menschen Schutz und Sicherheit, die in Wahrheit Täter gegenüber unseren Grundbedürfnissen sind. Wir kennen das ja schon aus unserer Familie.

Insbesondere auf gesellschaftliche Führungskräfte, auf Lehrer, Vorgesetzte, Ärzte oder Politiker werden wie wild Mutter- wie Vaterprojektionen gerichtet, statt solche Menschen nur als diejenigen zu sehen, die uns hilfreich durch unser Leben begleiten könnten, wobei die Verantwortung für unser eigenes Lebensglück immer bei uns selbst bleibt.

Kein Wunder, dass sich dann solche Menschen, von denen wir wie kleine Kinder unser Wohl und Wehe abhängig machen, auch in die Vorstellung hineinsteigern, sie wären als die kleinen und großen Führer und Vorbilder für unser Leben zuständig. Sie werden, entsprechend narzisstisch vorgeprägt durch ihre eigene Kindheit, dann immer dominanter und übergriffiger, je mehr von ihnen erwartet und ihnen der Freibrief dazu erteilt wird.

Sie behandeln uns letztlich wie unmündige Kinder, statt sich gemäß ihrer eigentlichen Aufgabe, als unsere Dienstleister schlicht dem Allgemeinwohl verpflichtet zu sehen. Was wir schon in unserer Familie an Zurückweisung unserer Bedürfnisse erdulden mussten, erleben wir dann auf gesellschaftlichem Niveau erneut.

Wenn Frauen mit einem riesigen Mutterliebe-Defizit Politikerinnen werden und Machtpositionen erobern, sind sie für die Bevölkerung keinen Deut anders und besser als liebesfrustrierte Männer. Auch sie beherrschen das Manipulieren, Kontrollieren und Sprüche wie „Wir müssen uns noch mehr anstrengen und den Gürtel enger schnallen und Opfer bringen!“ ebenso gut wie Männer. Auch sie leben ihren Mutter- wie Vaterhass verdeckt an der gesamten Bevölkerung aus. Bei Wahlen steht uns immer nur „das kleinere Übel“ zur Auswahl.

19. Geld kann Mutterliebe nicht kaufen

Die unterdrückte Mutterliebe macht gierig. Sie befördert ein unstillbares Immer-mehr-haben-wollen. Weil vieles, was jemand haben und besitzen will, Geld kostet, entsteht so eine Gier nach Geld. Wenn ich Geld habe, dann kann ich mir anscheinend alle meine Wünsche erfüllen – auch das ist eine große Illusion. Liebe und damit tiefes Lebensglück sind nicht käuflich zu erwerben.

Niemand kann sich mit Geld Mutterliebe kaufen. Wenn man diese in seiner Kindheit nicht in ausreichendem Maße fühlen konnte, ist sie um kein Geld der Welt zu bekommen.

Daher wird von vielen Menschen, das meiste Geld, das sie haben, für Trauma-Überlebensstrategien verpulvert. Das geschieht im Kleinen bei jedem Einzelnen von uns und das geschieht auch im großen Stil auf institutioneller und staatlicher Ebene. Mangel und Überfluss gehen so Hand in Hand.

Selbst in den reichen Industrieländern sind die meisten Menschen nicht wirklich glücklich und haben Angst vor Verarmung. Der Geldreichtum mag wachsen, die Geldbesitzer schrumpfen auf dem Weg seiner Vermehrung eher in ihrer inneren Größe als das sie in ihrer vollen Würde erwachsene Männer und Frauen würden.

Je mehr Geld sie haben und in ihren Berufen umsetzen, desto geldgieriger und skrupelloser werden sie. Sie rauben sogar den Armen noch ihr letztes Hemd. Sie gehen für noch mehr Geld sogar über Leichen.

20. Das System ist alles, du zählst nichts

Identifikationen im Außen. Er lebt dann im Wir-müssen- statt im Ich-will-Modus. Zu leben bedeutet fortan im Kampfmodus zu sein gegen sich und andere. Übergriffigkeit und Ausbeutung der Liebesbedürfnisse und -fähigkeiten anderer sind darin eingeschlossen.

So entstehen gesellschaftliche Systeme, die sich über den einzelnen Menschen stellen und scheinbar bedeutsamer und wichtiger sind als er. Der Einzelne muss solchen Systemen dienen, deren vermeintlich „objektiven“, angeblich wissenschaftlich ermittelten Gesetzmäßigkeiten gehorchen, statt, wie es sinnvoll wäre, dass solche Bildungs-, Gesundheits-, Kultur-, Wissenschafts-, Wirtschafts- oder Politiksysteme für sein gutes Leben sorgen würden. Was für ein vermessener Anspruch!

Ungeliebte Kinder akzeptieren solche Systeme, weil sie ihnen die Wahrheit ersparen, den Schmerz des Ungeliebtseins von der eigenen Mutter zu fühlen.

Daher werden solche Systeme von den zahllosen Opfern mütterlicher Ablehnung mit viel Einsatz am Leben gehalten. Macher und Mitmacher sitzen hier in einem Boot und sind sich insgeheim einig, nicht am eigenen Schmerz zu rühren. Stattdessen leben wir dann gemeinsam unseren Geschwisterneid und Mutterhass an anderen aus, die qua unserer willkürlichen Definitionen vermeintlich nicht zu uns gehören.

In diesen infantilen und traumatisierten Gesellschaften haben nur wenige Menschen eine Vorstellung davon, wie ein auf Liebe gegründetes Zusammenleben in Beziehungen, Familien oder insgesamt in der Gesellschaft aussehen könnte. Die meisten wissen, was sie nicht wollen und ihnen nicht wirklich behagt.

Was sie hingegen wollen, dafür fehlt der Mehrheit, die gelernt hat, die eigenen Urbedürfnisse zu unterdrücken, die Vorstellung und die Sprache. Sie verlängern ihren Pessimismus in die Zukunft: Die Welt ist und bleibt schlecht! Da gibt es keine Hoffnung auf Besserung.

In solchen traumatisierten Gesellschaften ist es daher schon ein großer persönlicher Fortschritt, seinen Erfolg nicht länger im Außen, in Partnerschaft, Familie, Geld und Macht zu suchen, sondern darin, endlich Ich zu werden und selbstverantwortlich für die eigenen Lebensbedürfnisse einzutreten.

21. Raubtierkapitalismus – ein Wirtschaftssystem ohne Liebe

Das Wirtschaftssystem, dass auf Privatbesitz und Geldvermehrung aufgebaut ist, der „Kapitalismus“, reißt derzeit weitere monetäre, nationale, rechtliche, religiöse, familiäre, moralische und ethische Schranken nieder, welche Menschen vor Ausbeutung, Verarmung und Verelendung schützen.

Die gigantische Konzentration von materiellem und finanziellem Besitz in den Händen einiger superreicher Einzelpersonen, Megakonzerne, Kapitalfonds und Stiftungen und die scheinbar schrankenlosen Möglichkeiten der IT-Technologie erlauben es diesen, sich alles und jeden zu kaufen, um noch mehr Besitz und Vermögen an sich zu reißen.

Der einzelne Mensch ist nur ein Mittel zum Zwecke, ein Objekt, dessen Bedürfnisse und Geist beliebig manipulierbar erscheinen, dessen Arbeitsvermögen bis zur Erschöpfung ausgesaugt werden kann, dessen Körper zur Verfügung zu stehen hat für alles, womit Geld verdient werden kann.

Die Akteure dieses Systems kalkulieren eiskalt strategisch. Sie handeln ohne Mitgefühl. Sie lügen, betrügen, manipulieren und töten ohne mit der Wimper zu zucken. Sie erpressen sich auch gegenseitig und berauschen sich mit Sex und Drogen, um ihre emotionale Abgestumpftheit und Lieblosigkeit nicht zu spüren.

22. Ist „Narzissmus“ Selbstliebe?

Es gibt eine psychiatrische Diagnose, die sich „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ nennt. Als ihre Merkmale werden aufgelistet:

  1. Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (zum Beispiel übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).
  2. Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.
  3. Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.
  4. Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.
  5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (das heißt übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).
  6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (das heißt zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).
  7. Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.
  8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.
  9. Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

Menschen, die solche Eigenschaften zeigen, wollen offenbar im Mittelpunkt stehen und bewundert werden. Warum? Weil sie es psychisch dringend nötig haben! Weil sie sich ohne die beständige Bewunderung von anderen Menschen klein und unbedeutend fühlen. Weil sie sich sonst ihres Daseins schämen.

Nach meinen Erfahrungen sind das vor allem Kinder, die von ihrer Mutter nicht gewollt sind und sich dafür schämen, dass es sie überhaupt gibt. Diese Daseinsscham im Verhältnis zur eigenen Mutter soll dann durch Macht, Geld, Ruhm und Glanz kompensiert werden. Auch von ihrem Vater haben sie meist die Botschaft erhalten, klein und dumm zu sein und ihm nicht das Wasser reichen zu können.

„Narzisstisch“ veranlagten Menschen gelingt es durchaus, sich in andere Menschen einzufühlen. Dieses Sich-Einfühlen ist jedoch berechnend und manipulativ. Solange der andere mitspielt und die eigenen narzisstischen Bedürfnisse befriedigt, geht das für eine Weile gut.

Aber es kommt mit Sicherheit der Moment, an dem das narzisstische Hochgefühl in Ablehnung und blanken Hass umschlägt, sobald der verdrängte Urschmerz aus der Mutterbeziehung wieder nach oben drängt. [Hans-Joachim Maaz (2012). Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm. München: C.H. Beck.]

23. Wahnsinnsprojekte

Der Grundirrtum einer solchen Überlebensstrategie für eine traumatisierende Elternbeziehung besteht in der Vorstellung: Wenn ich nur wichtig genug für andere bin, dann bin ich es auch für Mama und Papa wert, da zu sein und geliebt zu werden. Da auch viele andere kompensatorisch für ihren Mangel an Elternliebe nach Ansehen und Erfolg streben, werden sie als Konkurrenz erlebt und aus dem Feld zu drängen versucht.

So kann eine ganze Gesellschaft leicht ein Haifischbecken narzisstisch gestörter Menschen werden, die ihren Mitmenschen aus ihrer kindlichen Scham und Not heraus ihre grandiosen Projekte verkaufen und aufdrängen wollen. Solche Projekte sind meist größenwahnsinnig und übersteigen leicht die Grenzen des Vorstellbaren („Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt!“ „Alle Menschen auf dieser Erde impfen!“).

Mit Vorliebe erfinden narzisstisch gestörte Menschen Narrative von Tod und Verderben, in denen sie als die Retter erscheinen, welche die Menschheit vom Bösen („Dem Teufel!“), von Feinden („Die Russen!“), von finsteren Mächten („Die Terroristen!“) oder Krankheit und Seuchen („Die Pest!“ „COVID!“) befreien.

Bei näherer Betrachtung sind solche, oft auch schnell wechselnde, Narrative, die mit scheinbar genialen und grandiosen Ideen die Lösung aller Probleme versprechen, oft nichts als heiße Luft. Leider können sie real Millionen von Menschen ins Verderben reißen, sofern ein Narzisst und seine Clique nur die Macht- und Geldmittel zur Verfügung haben, seine Wahnsinnspläne zu verwirklichen. Für „Narzissten“ sind reale Menschen nur die Statisten in ihrem Kopfkino. Es kommt ihnen nur auf die Masse ihrer Bewunderer an, nicht auf deren wirklichen Bedürfnisse.

Nicht nur die Kinder aus Herrscherdynastien, in denen es meist ebenso an echter Mutter- wie Vaterliebe fehlt wie bei den sogenannten kleinen Leuten, toben ihren Narzissmus in vielen Varianten aus. Auch Menschen, die aus ärmlichen Verhältnissen kommen, haben die Vorstellung, es würde ihnen besser gehen, wenn sie zu den Reichen, Mächtigen und Berühmten gehörten.

Sie sind daher leicht von denen zu verführen und zu kaufen, die über die entsprechenden Macht- und Finanzmittel verfügen. So kommen immer wieder Leute aus einfachen Verhältnissen ganz nach oben ins Rampenlicht der Weltpolitik. Sie werden dort zu den gefügigen Marionetten der eigentlich Mächtigen und Reichen.

Man sollte sich deshalb die Frage stellen, ob man seine Arbeitskraft und damit seine kostbare Lebenszeit in den Dienst eines Narzissten oder eines narzisstischen Narrativs stellen möchte, welches sich eine Gruppe von Menschen ausgedacht hat. Was habe ich davon, der Wasserträger von Narzissten zu sein? Will ich, dass ihr Glanz auf mich abfärbt?

Was ist mit meinem eigenen Glanz? Manche Menschen kommen in ihrem Leben vom Regen in die Traufe. Kaum sind sie der Tyrannei ihrer traumatisierten Eltern entronnen, finden sie sich in einem Arbeitsleben mit einem tyrannischen Chef oder in Gesellschaften mit politischen Diktatoren wieder.

Weil es so viele von ihren Müttern und Vätern emotional nicht gelöste Menschen gibt, sind die meisten der heutigen Gesellschaften infantile Gesellschaften.

24. Auch Tyrannen und Mörder wollen geliebt werden

So werden aus ehemals liebevollen kleinen Menschenwesen leider auch viele große Menschen, die nach dem Motto leben: Wenn ich schon nicht geliebt werde, sollen die anderen zumindest in Angst und Schrecken vor mir leben und sich vor mir in Acht nehmen müssen.

Sie trainieren sich eine feindselige Haltung an und legen sich Machtmittel und Waffen zu, mit denen sie andere bedrohen, unter ihre Kontrolle bringen und gegebenenfalls töten können. Wer sein eigenes Lebensglück nicht findet, neidet anderen deren Glück und kann es nicht ertragen, dass sie sich gut und geliebt fühlen.

Wollen solche Menschen also nicht geliebt werden?

Auch in diesen Fällen ist das Urbedürfnis, von der eigenen Mutter geliebt zu werden, nur von zahllosen Überlebensstrategien und Verstrickungen mit den mütterlichen Traumata überlagert. Hinzukommen noch die vielen lieblosen und gewalttätigen Väter mit ihren zahllosen psychischen Wunden. Auch die eiskalten Tyrannen und Diktatoren auf dieser Welt wollen im Grunde ihres Herzens geliebt werden.

Sie wollen deshalb sogar für immer im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Sie wollen bewundert und für ihre vermeintlich großartigen Leistungen für ihr Volk oder sogar die gesamte Menschheit anerkannt werden. Daher können sie sich nur schwer von der Macht wieder trennen, sobald sie sich diese einmal erobert haben.

Im Grunde wollen sie Liebe und Zuneigung mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Gewalt erzwingen. Ähnlich wie Kinder das schon auf dem Pausenhof machen, die Geschenke an andere Schüler verteilen, um sich beliebt zu machen, kaufen sie sich Journalisten, Minister und Berater, die sich wegen ihrer Abhängigkeit nicht trauen, ein unschönes Wort über sie zu verlieren. Das ist ein im Grunde ein leicht zu durchschauendes Spiel.

Tyrannen und Diktatoren setzen auf Abhängigkeit. Sie wollen, dass andere Menschen von ihnen politisch, wirtschaftlich, sozial und psychisch abhängig sind. Sie erpressen sie mit den entsprechenden Dossiers, die sie über ihre Kontrahenten anlegen.

De facto sind aber auch sie psychisch abhängig von anderen Menschen. Alleine, ohne den Kampf mit anderen, sind sie innerlich leer, weil sie ihre eigenen Urbedürfnisse und damit ihre positiven Emotionen abgespalten haben. Sie können sich selbst nicht mehr fühlen und müssen sich beständig mit äußeren Erlebnissen anfüllen. Im Kampf mit ihrem Volk oder der gesamten Menschheit wiederholen sie den aussichtslosen Kampf um die Liebe ihrer Mutter. Alle Tyrannen scheitern früher oder später in diesem Kampf. [Franz Ruppert (2018). Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.]

Sie erreichen auf diesem Wege das genaue Gegenteil dessen, was sie sich heimlich wünschen. Niemand liebt sie ehrlich. Liebe lässt sich nicht mit Gewalt erzwingen, weder mit Gewalt gegen andere und noch mit Gewalt gegen sich selbst. Das funktioniert nicht.

Solche Versuche bedeuten nur permanente Anspannung, Wut, Aggression, Dauerstress, Krankheit und Tod für einzelne Menschen wie für ganze Kollektive. Wer diesen Irrtum nicht erkennt, macht sich und seine Mitmenschen chronisch unglücklich. Die Geschichte der Menschheit zeigt diese Fehleinschätzung in tausenden von Facetten und auch unsere Jetzt-Zeit macht dies mit aller Deutlichkeit klar.

Der Frühwaise Adolf Hitler (geb. 1889) verlor seinen Vater mit 11 und seine Mutter mit 17 Jahren. Bis zu seinem Selbstmord im Jahre 1945 hatte er ein Porträt seiner Mutter auf dem Schreibtisch seines „Führer“bunkers stehen.

Wenn solche in ihrem Liebesbedürfnis schwer gekränkten Menschen nur einmal die Erfahrung machen könnten, wie einfach es ist, dass die Herzen der Menschen ihnen zufliegen, wenn sie offen und authentisch ihre Gefühle zeigen! Wenn auch sie ihren Liebes-Urschmerz zum Ausdruck bringen. Dann würden sie merken, dass es all dieses Riesenaufwands, den sie betreiben, um sich selbst und andere Menschen zu versklaven, gar nicht bedürfte.

Fortsetzung: Teil 3 und Schluss

Prof. Dr. Franz Ruppert, Psychologischer Psychotherapeut und Professor für Psychologie, beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 vor allem mit Psychotraumatologie. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in München ist er auch Autor mehrerer Bücher, die in viele andere Sprachen übersetzt wurden: Webseite.


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Im dritten und abschließenden Teil der Serie „Corona“ aus psychologischer Sicht von Prof. Dr. Ruppert geht es um

  • Die Welt = die Mama retten
  • Den Mythos Mutterliebe
  • Gesunde Mütter als Basis einer gesunden Gesellschaft
  • Den Urschmerz durchleben
  • Zurück in die bedingungslose Selbstliebe finden
  • Liebe und Tod
  • Was will Ich?

Sein Fazit:

„An alle, zum Beispiel die in Zeiten von „Corona“ meinen, sie müssten mir etwas Gutes tun: Ich will Eure Masken, Tests und Spritzen nicht. Respektiert meine Grenzen und meinen Willen. Ich will, wenn dann reale Liebe, die aus Eurem Herzen kommt. Wenn Ihr mir das nicht geben könnt, so macht, was Ihr nicht lassen könnt, aber lasst mich in Frieden.“

Hier zum nachlesen die Teile 1 und 2.

26. Die Welt = die Mama retten

Abgetrennt von unserem Bedürfnis, von unserer Mutter geliebt zu werden, legen wir uns in unserem Kopf eine ideale Welt zurecht.

Weil wir uns so das Leben immer schwerer und die reale Welt mit unseren Illusionen immer mehr zerstören, stehen wir vor dem nie endenden Problem, diese Welt mit viel Aufwand und scheinbar genialen Ideen immerzu retten müssen.

So werden aus den einstmals kindlichen Opfern von Lieblosigkeit erwachsene Täter mit einem guten Gewissen. Sie fordern im Wettbewerb der Weltrettungsideen von sich und allen anderen, alles in die Waagschale zu werfen und das eigene Glück für die Idee einer idealen Welt = Mama zu opfern.

Das sind aus meiner Sicht die Wurzeln des Sozialismus oder Globalismus und der Vorstellung mancher Menschen, sie müssten den Menschen gentechnisch oder per Computer-Interface neu erschaffen.

Würden sie es doch nur versuchen, sich selbst erst einmal zu finden, dieses kleine bedürftige Kind in ihnen, das nach der Liebe seiner Mama schreit, dann müssten sie in ihrer Vorstellung nicht Gott spielen und die den gesamten Globus ins Unglück reiten.

27. „Corona“ aus psychologischer Sicht

Die zwischenmenschlichen Verhältnisse im Außen sind eine Widerspiegelung der intrapsychischen Dynamiken in einem Menschen. Der Unfriede und Krieg in der Gesellschaft bringen die innere Unruhe und Feindseligkeit der Gesellschaftsmitglieder in Bezug auf sich selbst zum Ausdruck. Kein Mensch, der in Frieden mit sich selbst ist, zieht gegen seine Mitmenschen in einen Vernichtungskrieg und will sie unterjochen und kontrollieren.

Auf die Pandemiesituation der Jahre 2020 und 2021 bezogen, heißt das für mich: SARS-CoV-2 ist psychologisch betrachtet die Projektion abgespaltener innerer Todes-, Vernichtungs- und Verlassenheitsängste in die Außenwelt. Der Ursprung dieser Todesängste liegt bei den meisten Menschen in der Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Vater, weil sie von diesen nicht gewollt, geliebt und geschützt werden.

Weil das zu fühlen und zu erkennen für die meisten zu schmerzhaft und auch gesellschaftlich hoch tabuisiert ist, braucht es etwas im Außen, um diese Ängste zu bekämpfen. Ein unsichtbarer Virus, in dem man in seiner Vorstellung alles Mögliche hineinfantasieren kann, ist dafür höchst geeignet.

Doch so wenig man als Kind den Kampf gegen die eigenen Eltern gewinnen und die eigenen Eltern in sich abtöten kann, so wenig wird auch der Kampf gegen ein Virus erfolgreich sein. Kaum glaubt man, ihn erkannt zu haben und zu fassen zu bekommen, schon hat er wieder mutiert. Es ist wie im Märchen vom Hasen und vom Igel. Am Ende liegt der Hase vor Erschöpfung tot in der Ackerfurche. Und die nächsten Pandemien werden ja schon angekündigt.

Für mich drückt sich in dieser Corona-Pandemie der Hass der Menschen gegen sich selbst aus. Was sich in jedem Einzelnen abspielt, der sich nicht gewollt, geliebt und geschützt fühlt, inszeniert sich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene.

Die gesamte Menschheit in einen aussichtslosen Krieg gegen Coronaviren zu schicken, ist genauso wahnsinnig, wie Deutsche gegen Russen, Amerikaner gegen Iraner et cetera aufzuhetzen und Krieg führen zu lassen. Bei Soldaten, die auf dem Schlachtfeld sterben, ist oft „Mama“ das letzte Wort, das aus ihnen herauskommt.

Wie es im Inneren Anteile gibt, die miteinander im Streit liegen, so gibt es auch im Außen Menschengruppen, die bedürftig sind nach Liebe, Schutz, Freiheit und Orientierung und andere Menschengruppen, welche diese bedürftigen Menschen bekämpfen, unterdrücken und in die Schranken zu weisen versuchen.

Dieser Kampf führt zur weiteren Selbstzerstörung der Menschheit und der Menschlichkeit. Nur die Rückbesinnung auf sich selbst, auf das, was ich wirklich bin und will, kann dieses sinnlose Tun beenden.

28. Gesunde Mütter als Basis einer gesunden Gesellschaft

Gesellschaftlich kommen wir aus diesen ganzen Kämpfen und Selbstzerfleischungen nur heraus, wenn wir begreifen, dass nicht die Reichen und Mächtigen, welchen Geschlechts auch immer, sondern die Mütter die Basis der Gesellschaft sind.

Sie bilden das Zentrum einer Gesellschaft. Wenn es ihnen gut geht, geht es auch ihren Kindern gut. Leiden die Mütter körperliche und psychische Not, leiden ihre Kinder mit und daran krankt im Grunde die gesamte Gesellschaft. Es sind die Mütter, die darüber entscheiden, ob die Mitglieder der Gesellschaft friedlich und kooperativ sind, oder ob sie zu rücksichtslosen und nimmersatten Monstern werden.

Wenn ich davon spreche, dass Mütter diese große gesellschaftliche Bedeutung haben, fühlen sich manche Mütter auf der Anklagebank, weil sie wissen oder zumindest ahnen, dass sie für ihre Kinder nicht wirklich da waren und sie sich daher schuldig fühlen.

Es möchte ausdrücklich betonen, dass es mir nicht darum geht, Mütter als gut oder schlecht zu bewerten. Es geht darum, Ursachen und Zusammenhänge aufzuzeigen und die Möglichkeiten für eine bessere Zukunft zu benennen.

29. Den Urschmerz durchleben

Der durchlebte Urschmerz fehlender Mutterliebe macht uns wieder zu einer realen Person. Über diesen Schmerz kommen wir nach Hause in unseren lebendigen Organismus zurück, der wir eigentlich sind. Emotional in unserem Körper verankert, können wir nicht mehr länger geistig-mental in der Vergangenheit oder in einer fernen Zukunft leben.

Im Körper zu sein, bedeutet in der Gegenwart zu leben. Wenn ich in meinem eigenen Körper bin, kann ich mich auch nicht mehr mit einer anderen Person identifizieren. In der Vorstellung geht das, körperlich nicht. Ich und mit sich selbst identisch sein kann jeder nur in seinem eigenen Körper.

Ein von den Fesseln der Überlebensstrategien befreites Herz ist dann wieder offen für das eigene Leben, die eigenen Urbedürfnisse, die eigene Liebe und alle Gefühle, die dazu gehören, sei dies Angst, Ärger, Wut, Scham oder Schmerz. Auch den Mutter- und Vaterhass kann ich mir dann als etwas eingestehen, was in meiner Kindheit notwendigerweise entstanden ist und mir meine Psyche und meine Beziehungen vergiftet hat. Auch diesen Hass kann ich dann allmählich loslassen und ganz zu mir kommen.

An diesen Urschmerz kommen wir mit oberflächlichen Erkundungen unseres Innenlebens nicht heran. Er ist hinter dicken Schutzmauern verkapselt. Mittlerweile habe ich eine Methode entwickelt, mit der es gelingt, sich selbst und damit auch mit seinen Urbedürfnissen wieder in Kontakt zu kommen. Dann öffnen sich die Türen zu den inneren Räumen, in denen unsere Urtraumagefühle aufbewahrt sind.

Statt dass diese uns zerstören, wie das in unserer frühen Entwicklung der Fall gewesen wäre, wären sie nicht weggedrückt worden, werden sie nun zu einer Quelle unserer inneren Kraft, Stärke und Stabilität. Wir müssen dann auch keine psychischen Energien darauf verwenden, diese Urkräfte in uns zu unterdrücken.

30. Zurück in die bedingungslose Selbstliebe finden

Seit ich den Schmerz der Ablehnung und des emotionalen Missbrauchs durch meine Mutter und meinen Vater in vielen Selbstbegegnungen und Wellen durchlebt habe, habe ich zu meinem Urbedürfnis nach „Ich will leben, lieben und geliebt werden“ zurückgefunden. Ich bin auf diese Weise in Kontakt gekommen mit meinen tiefsten Existenzängsten, meiner Daseins-Scham, meinem Ärger, meiner Wut und auch meinen Hass sowohl auf meine Mutter wie auf meinen Vater.

Ich sehe mich und meine Mitwelt nun mit anderen Augen. Ich spüre meine bedingungslose Liebe zu mir selbst. All das, was ich ursprünglich von meiner Mutter und von meinem Vater bekommen wollte, kann ich mir nun selbst geben. Und ich fühle, dass auch andere Menschen mir seitdem mit einer viel größeren Offenheit und Liebe begegnen. Auch, weil ich sie nicht mehr mit meinen unbewussten Mutterliebe-Sehnsüchten oder meinen Hunger nach väterlicher Zuwendung bedränge und überfordere.

Ich erinnere mich jetzt bei jedem Konflikt, der mir in meinem Alltag begegnet, an diese meine Urbedürfnisse. Ich will geliebt werden und wünsche es auch jedem anderen, dass er zu diesem seinem Urbedürfnis und zur bedingungslosen Liebe zu sich selbst wieder Zugang findet. Auf dieser Basis lässt sich jeder Konflikt einvernehmlich und konstruktiv-kooperativ lösen. „Die Welt“ = meine Mama muss ich mit meinen Vorstellungen und anstrengten Bemühungen nicht mehr retten. Ich reagiere nicht mehr, sondern handle aus meinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen heraus.

Weil ich für mich selbst wertvoll bin, sehe ich auch andere Menschen als wertvoll an. Ich erkenne nun viel deutlicher, was für mich und mein Leben einen Wert hat und was nicht.

31. Liebe und Tod

Wenn ich mein Leben lebe, muss ich meinen Tod nicht fürchten. Er kommt ohnehin eines Tages für mich wie für jeden Menschen. Tod ist der Zustand absoluter Bedürfnislosigkeit für einen lebendigen Organismus. Dann kann sich dieser in seine physikalisch-chemischen Grundbestandteile auflösen und möglicherweise die materielle Grundsubstanz für neues Leben werden.

Der Tod eines Menschen ist ein Schmerz für diejenigen, die ihn lieben. Sie müssen die Trauer bewältigen, dass er nicht mehr da ist.

Daher ist der Tod der eigenen Mutter meist eine der tiefsten emotionalen Erschütterungen für ihre Kinder. Er fordert sie heraus, sich spätestens jetzt von ihr emotional zu entbinden und vom Kind zum Erwachsenen zu werden. Wer zuvor Mutterliebe erfahren hat, kann das leisten.

Wer noch im Mutterliebemangel lebt, wird auch durch den Tod der Mutter dazu veranlasst, sie im Geiste am Leben zu halten. Er bleibt dadurch auf ewig ein Kind.

32. Was will ich?

Ich will leben. Ich will lieben und geliebt werden. Ich will Beziehungen führen, die auf Wahrhaftigkeit und gegenseitigem Respekt beruhen. Ich will mich sicher fühlen vor Gewalt und Repressionen.

An alle, z.B. die in Zeiten von „Corona“ meinen, sie müssten mir etwas Gutes tun: Ich will Eure Masken, Tests und Spritzen nicht. Respektiert meine Grenzen und meinen Willen. Ich will, wenn dann reale Liebe, die aus Eurem Herzen kommt. Wenn ihr mir das nicht geben könnt, so macht, was ihr nicht lassen könnt, aber lasst mich in Frieden. [Franz Ruppert (2021). Ich will Liebe, Wahrheit und Sicherheit. Was geschieht mit unseren Grundbedürfnissen in Zeiten von „Corona“? Chronik meiner Bewusstwerdung. München: Eigenverlag.]

Wenn jeder Mensch auf diesem Globus das Angebot bekäme, statt beispielsweise dreier Spritzen gegen einen natürlich vorkommenden und ständig mutierenden Virus drei Selbstbegegnungen mit meiner Anliegenmethode zu machen – ich bin mir zu 100-prozentig sicher, dass die Menschheit dadurch zur Selbstbesinnung käme und voller Zuversicht in eine glückliche Zukunft blicken würde.

Prof. Dr. Franz Ruppert, Psychologischer Psychotherapeut und Professor für Psychologie, beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 vor allem mit Psychotraumatologie. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in München ist er auch Autor mehrerer Bücher, die in viele andere Sprachen übersetzt wurden. Hier ein kleiner Einblick in seine Videos.